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Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) - aus der Reihe "Volkskrankheiten"


 

Allgemeines über Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME):
Die Erkrankung mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz FSME) ist eine verbeitetete Virusinfektion, die durch das FSME-Virus ausgelöst wird, wobei das FSME-Virus in erster Linie von Zecken auf den Menschen übertragen wird. 

Das FSME-Virus greift das zentrale Nervensystem des Menschen an und führt zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich einer Sommergrippe. Das FSME-Virus kann aber auch direkt das zentrale Nervensystem angreifen und schlimmere Folgen haben. Die mildeste Form in diesem Fall ist eine Hirnhautentzündung (Meningitis).  Die schwere Form ist die Gehirnentzündung. Hier sind nicht nur die Hirnhäute, sondern das ganze Gehirn von der Erkrankung betroffen. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)  kann nicht behandelt werden, daher ist es besonders wichtig, die Erkrankung zu verhindern. An FSME-Erkrankte sind nicht ansteckend.
 

Das Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)-Virus:
Das FSME-Virus (es handelt sich um ein humanpathogenes Virus ) wird der Gruppe der Flaviviren zugeordnet und ist mit den Erregern des Dengue- und Gelbfiebers verwandt.. Neben dem zentraleuropäischen FSME-Subtyp gibt es auch noch weitere Subtypen (sibierischen und ostasiatischen FSME-Subtyp). Bekannt ist vor allem der sibirische FSME-Subtyp RSSE (englische Bezeichnung Russian Spring Summer Encephalitis), da dieser Subtyp häufig schwerere Erkrankungen auslöst. Man nimmt an, dass in den deutschen FSME-Endemiegebieten (Hauptverbreitungsgebiete in Deutschland liegen in Baden-Württemberg, Bayern und  im südlichen Hessen) ca. 0,1-5 % der Zecken mit dem FSME Virus infiziert sind. 
Endemiegebiete des FSME-Virus finden sich auch in Österreich, den baltischen Ländern, in Russland, Polen, in der Tschechischen und in der Slowakischen Republik, in Ungarn, Südschweden, Finnland, Kroatien, Slowenien und Albanien.
 
 

Symptome bei Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)-Virus
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird  fast ausschließlich von infizierten Zecken übertragen wird, wobei der FSME-Virus nicht immer die typischen Symptome auslöst. Viele Betroffene spüren gar nichts von der Infektion (Symptomatische Verläufe treten bei lediglich 30% aller Infizierten auf)

  • Bei einer Infektion mit FSME leiden ca. dreißig Prozent der Betroffenen zunächst unter grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen (die typischen Symptome der FSME). 
  • Nach dem Abklingen der grippeähnlichen Symptome, kann das sekundäre Stadium der FSME beginnen. Hierbei tritt  einige Tage später erneut Fieber, dann oft mit hohen Temperaturen, auf. Im Laufe dieses Stadiums können sich auch Hirnhäute und Gehirn entzünden (Meningoenzephalitis). In schlimmen Fällen kann auch das Rückenmark betroffen werden (Myelitis). Je nach Schwere des Krankheitsverlaufes sind die Symptome starke Kopf- und Nackenschmerzen, und Übelkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder Lähmungen.
Auch, wenn bei der Mehrzahl der Betroffenen die Krankheit ohne Folgeschäden verläuft, kann FSME durchaus bleibende Schäden verursachen (v.a. wenn das zentrale Nervensystem betroffen ist). Durch mögliche schwere Folgeschäden endet die FSME-Erkrankung im durchschnittlich bei einem Prozent der Fälle sogar tödlich.
  • Wissenschaftliche Studien ergaben, dass Folgeschäden wie Lähmungen der Extremitäten, Atemschwäche, Gleichgewichtsstörungen und  Schluck- bzw. Sprechstörungen auftreten. 
  • In der Studie von Prof. Kaiser am Klinikum Pforzheim (Prof. Dr. R. Kaiser: Langzeitprognose bei primär myelitischer Manifestation der FSME eine Verlaufsanalyse über 10 Jahre, Der Nervenarzt 2011) kam man zu dem Ergebnis, das ca. 50% der schwer erkrankten FSME-Patienten dauerhaft unter den Folgeschäden der Krankheit leiden, sogar 30%  der Betroffenen während des Beobachtungszeitraumes starben und nur knapp 20 % wieder vollständig gesund wurden.


Nachweis des FSME-Erregeber mit Hilfe "medizinischer Möglichkeiten":

  • Im Primärstadium lässt sich eine Erkrankung durch Virusisolierung aus Blut und Liquor bzw. durch den "Fund" des FSME-Virusgenom nachweisen. In der Regel verwendet man bei diesem Verfahren eine RT-PCR (sog. Reverse Transcriptase Polymerase Chain Reaction), wobei ein negativer Befund nicht bedeutet, dass keine FSME-Infektion vorliegt.
  • Wähend dem Sekundärstadium gibt es mehrere diagnostische Möglichkeiten, beispielsweise der Nachweis FSME-Virus-spezifischer IgM-Antikörper  und IgG-Antikörper. Darüber hinaus kann eine FSME-Erkrankung durch den Nachweis intrathekal gebildeter FSME-spezifischer Antikörper diagnostiziert werden.


Verlauf von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Eine Erkrankung an FSME verläuft im typischen Fall die Krankheit in zwei Stadien.
 

  • Stadium I (Primärstadium): Die FSME-Erkrankung beginnt mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich einer Sommergrippe. Bei über zwei Drittel der Infektionen mit dem FSME-Virus verlauft diese Phase ohne erkennbare Symptome (unspezifische grippeähnlichen Symptomatik). Die Inkubationszeit beträgt während bei der FSME-Erkrankung bis zu 14 Tage. Wird die FSME-Erkrankung frühzeitig erkannt, ist unter Umständen die Erkrankung eindämmbar und damit überstanden. 
  • Stadium II (Sekundärstadium): Im Laufe dieses Stadiums (bis zu 20 Tage nach Infektion) befällt das Virus das zentrale Nervensystem (bei ca. 10% aller an FSME-Erkrankten). Die Erkrankung im Sekundärstadium kann zu Hirnhautentzündung oder Hirnentzündung kommen. Ausschlaggebend hierfür das Ausmaß der ZNS-Beteiligung, so kann die Frühsommer-Meningoenzephalitis wie bereits erwähnt als  Meningitis, Enzephalitis, Myelitis oder als eine Kombination aus allen Zuständen (Meningoenzephalomyelitis) auftreten. In einem schweren Verlauf der Erkrankung können auch das Myokard und die Gelenke befallen werden.
     
Therapie bzw. Vorbeugung  bei  Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Bisher gibt es noch keine spezifische Behandlung gegen FSME. Die bisherigen Therapien beschränken sich darauf, die Symptome der Erkrankung zu lindern.
  • Der wirksamste Schutz sind präventive Maßnahmen.Die beste Prävention ist die aktive Immunisierung (Impfung gegen FSME) sowie Zeckenstiche zu vermeiden, beispielsweise in Form von heller Kleidung zur leichteren Erkennung der Zecken. Zusätzlich sollte die Kleidung möglichst viel Körperoberfläche bedecken
  • Eine postexpositionelle Immunprophylaxe ist bei einem Ausbruch von FSME nicht mehr möglich. Sollte der Verdacht auf eine FSME-Erkrankung vorliegen, können Untersuchungen zum Ausschluss von anderen Flaviviren unternommen werden
  • Meldepflicht bei FSME-Erkrankung: Beim Auftreten von FSME muß dem Gesundheitsamt gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 14 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis de FSME Virus, namentlich gemeldet werden. Nach dieser Meldung an das Gesundheitsamt können diese gemäß § 25 Abs. 1 IfSG ggf. eigene Untersuchungen durchführen.
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