Finanzprodukte – Definition und Beispiele einfach erklärt mit Übersicht

Finanzprodukte sind Produkte, die von Finanzdienstleistern angeboten werden, um Kunden bei der Verwaltung ihrer Finanzen zu helfen. Dabei werden zwei Zielrichtungen verfolgt: Aufbau von Vermögen oder Sammlung von Kapital. Die bekanntesten Finanzprodukte sind Kreditkarten, Bankkonten, Sparprodukte, Veranlagungen und Versicherungen. Sie erfüllen unterschiedliche Zwecke und sind abhängig von den Bedürfnissen auf lang- oder kurzfristige Engagements ausgerichtet. Angeboten werden sie in der Regel von Banken, Versicherungen, Investmentgesellschaften oder anderen Finanzinstituten, die der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unterliegen.

Was sind Finanzprodukte?

Finanzprodukte

Finanzprodukte

Es sind einfach ausgedrückt, auf die Zukunft ausgerichtete Zahlungsvereinbarungen und ihre Zwecke sind:

  1. Bereitstellen von Liquidität
  2. Bildung von Vermögen
  3. Absicherung von Risiken
  4. Finanzierung von unterschiedlichen Projekten

Oft wird der Begriff „Spekulation“ mit ihnen in Zusammenhang gebracht. Allerdings unterliegen sie strengen gesetzlichen Regulierungen, um die Kunden und Konsumenten vor Schaden zu bewahren, denn im Vordergrund stehen Rendite, Liquidität, Volatilität und Risikominimierung.

Für Finanzprodukte gibt es allenfalls einen Markenschutz, jedoch keinen Patentschutz. Aus diesem Grund können sie ohne Schwierigkeiten nachgeahmt werden. Das vermindert insgesamt die Transparenz auf dem Markt.

Eckdaten von Finanzprodukten

Kennzeichnend sind die vereinbarten Zahlungsbeträge und die Zahlungstermine sowie die Bedingungen, unter denen diese Zahlungen zu erfolgen haben. Weitere Regelungen sind:

  1. Laufzeit und Dauer
  2. vereinbartes Entgelt

Merkmale und Funktionen von Finanzprodukten

  1. Sicherung der Liquidität: Kapital kann bei Bedarf abgerufen werden (Kontokorrentkredit, Dispo auf Girokonto)
  2. Bildung von Vermögen durch systematischen Aufbau (Lebensversicherungen, Sparpläne, Investmentfond)
  3. Absicherung von Risiko (Begrenzung von Verlusten, Vorsorge gegen finanzielle Belastungen oder Zahlungsverpflichtungen)
  4. Überproportionale Gewinne durch Hebel-Effekt mit entsprechendem Risiko (Spekulationsfunktion)
  5. Finanzierung von Vorhaben (Hausbau, Investitionen, Leasing, Immobilien)

Rechtliche Regulierung von Finanzprodukten

  • Kreditwesengesetz (KWG)
  • Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG)
  • Kapitalanlagegesetzbuch (KaGB)
  • Bausparkassen-Gesetz (BauSparkG)
  • Zweite Finanzrichtlinie der EU (MiFID II; Markets Financial Instruments, Directive II), in Deutschland umgesetzt durch das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) und anderen wertpapierrechtlichen Vorschriften.

Strukturierte Finanzprodukte

Es handelt sich dabei um Anlageprodukte, deren Wert sich von einem oder mehreren Basiswerten ableitet. Bei diesen kann es sich um Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Währungen handeln. Die Kursentwicklung der Basiswerte bestimmt den Wert des Produkts. Sie werden auch als Derivate bezeichnet und sie dienen in der Regel dazu, auf bestimmte Börsenszenarien zu spekulieren.

Gehebelte Finanzprodukte

Der Vorteil von Hebelprodukten besteht darin, dass sie den Anlegern die Möglichkeit bieten, bei geringen Kursbewegungen des Basiswerts große Gewinne zu erzielen.

Sie werden in der Regel auf Marge gehandelt, was bedeutet, dass der Anleger nur einen kleinen Prozentsatz des Gesamtwerts des Geschäfts aufbringen muss. Der Rest wird vom Broker finanziert (geliehen). Gewinne basieren auf dem vollen Wert der Position, Verluste allerdings auch.

Übersicht der wichtigsten Finanzprodukte

Ein Finanzprodukt ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien, in dem sich eine Partei verpflichtet, der anderen Partei eine Finanzdienstleistung zu erbringen. Die wichtigsten Finanzprodukte sind: Darlehen, Hypotheken, Kreditkarten, Versicherungen und Anlageprodukte. Jedes dieser Produkte hat unterschiedliche Merkmale und Vorteile.

Bank­pro­duk­te

Bau­fi­nan­zie­rung

Die Baufinanzierung ist ein kurzfristiges Darlehen (1 bis 3 Jahre), um den Bau einer Immobilie zu finanzieren (Material-, Arbeitskosten und andere Ausgaben). Ist der Bau abgeschlossen (bezugs- oder verkaufsfertig) kann das Darlehen in eine längerfristige Hypothek umgewandelt werden.

Bau­spar­ver­trag

Wird mit einem Finanzinstitut z. B. einer Bank, einer Kreditgenossenschaft oder einer Bausparkasse geschlossen. In dem Vertrag wird der Zweck festgelegt sowie Sparziel und Dauer. Vorteilig ist der höhere Zinssatz gegenüber klassischen Sparformen und die Bildung von Eigenkapital, das für die Aufnahme eines Kredites erforderlich ist.

Fest­geld

Es handelt sich um ein Sparkonto bei einer Bank oder Bausparkasse, auf dem Geld für einen bestimmten Zeitraum in der Regel zwischen einem und fünf Jahren angelegt wird. Im Gegenzug verpflichtet sich die Bank oder Bausparkasse, einen bestimmten Zinssatz zu zahlen.

Rah­men­kre­dit

Ein Rahmenkredit ist ein ausgehandelter Kreditvertrag zwischen einem Kreditnehmer und einem Finanzinstitut, bei dem die Bedingungen im Voraus vereinbart werden. Der Vorteil eines Rahmenkredits ist, dass er dem Kreditnehmer mehr Sicherheit über die Kosten der Kreditaufnahme bietet.

Ra­ten­kre­dit

Ein Ratenkredit ist ein Darlehen, bei dem im Laufe der Zeit eine bestimmte Anzahl von Zahlungen zu leisten sind. Die Laufzeit des Kredits kann von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren reichen. Die Raten sind in der Regel gleich hoch und werden so über die Laufzeit des Kredits verteilt, dass der Kreditnehmer sie in überschaubaren Raten zurückzahlen kann.

Spar­brief

Ein Sparbrief ist eine Einmaleinlage bei einem Kreditinstitut mit festgelegter Laufzeit und vereinbartem Zinssatz. Er unterliegt dann der Einlagensicherung (€ 100.000, –), wenn er keine Nachrangabrede enthält. Es handelt sich um eine mittelfristige Anlage, die sich aufgrund der konservativen Anlageform zum Aufbau und Erhalt von Vermögen eignet.

Spar­kon­to

Darunter versteht sich ein Bankkonto, auf das der Kontoinhaber jederzeit ohne Kündigung Geld einzahlen und abheben kann. Der Kontoinhaber erhält Zinsen für das auf dem Konto eingezahlte Geld. Ein Sparkonto ist eine gute Möglichkeit, um Geld für eher kurzfristige Ziele zu sparen.

Ta­ges­geld

Es handelt sich um eine eher kurzfristige Geldanlage mit variabler Verzinsung, die sich am jeweiligen Marktzins orientiert. Das Geld ist in der Regel ohne Kündigungsfrist verfügbar. Ein Tagesgeldkonto eignet sich nicht für den laufenden Zahlungsverkehr, dazu ist ein entsprechendes Referenzkonto erforderlich.

Wert­pa­pie­re & Geld­an­lage

Akt­ie

Der Besitzer einer Aktie wird damit auch zum Teilhaber eines börsennotierten Unternehmens. Es gibt mehrere Formen von Aktien, die wichtigsten sind Vorzugs- und Stammaktien, da sie die rechtliche Stellung des Aktionärs definieren. Mehr zum Thema Aktien in diesem Artikel.

Di­rect In­ves­ting

Will ein Investor eine Mehrheitsbeteiligung an einem ausländischen Unternehmen erwerben, dann stellt er dafür im Gegenzug Kapital zur Verfügung. Dieser Vorgang geschieht außerhalb der Börse, da keine regulären Aktien erworben werden. Mit DI kann neben dem materiellen Kauf auch der Erwerb der Kontrolle über das Unternehmen verbunden sein. Ein anderer Zweck von Direct Investing kann darin liegen, dass ein Unternehmen in einem anderen Land die Geschäftstätigkeit aufnimmt.

ETF

Ein börsengehandelter Fond (Exchange Trading Fond) ist eine besondere Art eines Investmentfonds, der eine Sammlung von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffen hält. ETFs ähneln Investmentfonds insofern, als sie Diversifizierung und professionelles Management bieten, aber sie unterscheiden sich dadurch, dass sie an einer Börse gehandelt werden und jederzeit während des Handelstages verkauft werden können. Der erste börsengehandelte Fond wurde 1989 eingeführt, und heute gibt es weltweit über 5.000 börsengehandelte Fonds.

Ex­change Traded Commodites (ETC)

Börsengehandelte Rohstoffe (Exchange Traded Commodities, ETCs) sind eine Art von Finanzprodukt, das es Anlegern ermöglicht, an der Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Rohstoffs zu partizipieren, ohne den Rohstoff physisch in Empfang nehmen zu müssen.

Ge­schlos­se­ner Pu­bli­kums­fond

Ein geschlossener Publikumsfond ist eine Art von Investmentfond, der einen bestimmten Kapitalbetrag durch einen Börsengang (IPO) aufnimmt und dann an der Börse gehandelt wird. Der Fond verfügt über eine bestimmte Anzahl von Anteilen, die nicht zurückgenommen werden können, was bedeutet, dass die Anleger den Fond nur verlassen können, indem sie ihre Anteile auf dem freien Markt verkaufen. Geschlossene Publikumsfonds werden in der Regel von professionellen Finanzmanagern verwaltet, die eine Vielzahl von Strategien anwenden, um für die Anleger Renditen zu erzielen.

Schuld­ver­schrei­bung

Eine Schuldverschreibung besagt, dass der Anleger dem Aussteller Kapital zur Verfügung gestellt hat, welches unter bestimmten Bedingungen zurückzuzahlen ist (Zeitpunkt, Zinssatz). Schuldverschreibungen werden häufig von Unternehmen verwendet, um Geld von Investoren zu erhalten.

Vermögens­anlage

Unter Vermögensanlage versteht man die Investition in Sachwerte wie Grundstücke, Gebäude und Maschinen, um Erträge zu erzielen oder den Wert eines Unternehmens im Laufe der Zeit zu steigern. Der Hauptunterschied zwischen Anlageinvestitionen und anderen Anlageformen, wie z. B. Investitionen an der Börse, bei der auf künftige Leistungen eines Unternehmens „gewettet“ wird, besteht darin, dass bei Anlageinvestitionen physische Güter erworben werden, um Erträge zu erzielen.

Wert­pa­pier­fond

Ein Wertpapierfond ist ein Investmentfond, der Gelder von verschiedenen Anlegern bündelt, um in ein Portfolio von Wertpapieren wie bspw. Aktien, Anleihen und andere Anlageprodukte zu investieren.

Zer­ti­fi­ka­te

Im Finanzwesen ist ein Zertifikat im Allgemeinen ein Dokument, das das Eigentum an einem finanziellen Vermögenswert bescheinigt oder den Inhaber zu einem bestimmten Vorteil, Recht oder Privileg berechtigt. Zum Beispiel ist ein Einlagenzertifikat (CD) ein Dokument, das bescheinigt, dass der Inhaber eine bestimmte Geldsumme für einen bestimmten Zeitraum bei einer Bank hinterlegt hat. Im Gegenzug verpflichtet sich die Bank, dem Inhaber Zinsen auf die Einlage zu zahlen. Es gibt zwei Haupttypen von Zertifikaten: Einlagenzertifikate (CDs) und Sparbriefe.

Ver­si­che­rungs­pro­duk­te

Versicherungen schützen vor finanziellen Verlusten, indem sie die Kosten für die Folgen von Unfällen oder anderen Schadensereignissen übernehmen. Ein Versicherungsnehmer überträgt damit das finanzielle Risiko auf die versichernde Gesellschaft, die ihr Risiko wiederum nach dem „Gesetz der großen Zahl“ berechnet.

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Autor: , Letzte Aktualisierung: 09. November 2022