Das Hormonsystem des Menschen

Das Hormonsystem im menschlichen Körper

In den bisherigen Kapiteln haben wir gesehen, dass der menschliche Körper durch ein komplexes System von Sinnesorganen, Organen, Muskeln und weiteren „Einheiten“ ist. Wie beim Zusammenspiel von Knochen und Muskeln (die gemeinsam die menschliche Beweglichkeit gewährleisten), muss auch bei den Sinnesorganen und weiteren Körperteilen jede Aktion bzw. Funktionen aufeinander abgestimmt sind. Dazu werden die einzelnen „Organe“ bzw. Funkionen des Körpers zentral gesteuert. Diese Steuerung übernimmt das Nervensystem und das Hormonsystem.

Wie im letzten Satz beschrieben, müssen alle Organe bzw. deren Funktion im menschlichen Körper aufeinander abgestimmt sein. Diese Koordination erfolgt über das Nervensystem und das Hormonsystem.

Hier sieht man auch den Unterschied beider Systeme. Beim Nervensystem werden Informationen über Nervenbahnen in Form elektrischer Impulse weitergeleitet. Beim Hormonsystem werden „Information“ in Form von Hormone über den Blutkreislauf in alle Bereiche des Körpers transportiert. Daher werden die „Informationen“ beim Hormonsystem im Gegensatz zum Nervensystem langsamer durch den Körper zum „Einsatzort“ transportiert.

Die Hormone werden in den Hormondrüsen produziert (alle Hormondrüsen bilden das gemeinsame Hormonsystem) und von da aus ins Blut gegeben. Über den Blutkreislauf werden die Hormone zu den Organen im Körper transportiert. Da die Hormone gewisse Informationen (=> ein Befehl, dass ein Organ eine bestimmte Aktion durchführt) durch den Körper transportieren, werden sie auch als Botenstoffe bezeichnet (übersetzt heißt das Wort „Hormon“ auch „Botenstoff“).

Funktionsweise des menschlichen Hormonsystems

Die Hormone werden in den Hormondrüsen im Körper herstellt, inzwischen sind bereits über dreißig verschiedene Hormone im menschlichen Körper bekannt. Die Hormone werden anschließend von endokrinen Drüsen in die Blutbahn abgegeben (endokrine Drüsen bedeutet, dass die Drüsen ihre Stoffe nach innen (in den Körper) absondern). Die Hormone werden über die Blutbahn durch den ganzen Körper transportiert, wirken aber nur bei bestimmten Organen. Das Hormon „dockt“ dabei an die Rezeptoren der Organe. Wie bei einem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“ können dabei nur Hormone an das Organ andocken, die die zum Rezeptor passende Form haben. So wird dafür gesorgt, dass durch das entsprechende Hormon nur ein bestimmtes Organ „angesprochen“ wird und eine ganz bestimme „Reaktion“ ausgelöst wird.

Wie auch das Nervensystem wird das Hormonsystem zentral gesteuert. Diese zentrale Steuerungseinheit des menschlichen Hormonsystems ist der sogenannte Hypothalamus. Der Hypothalamus ist ein Teilbereich des Zwischenhirns und verbindet das Nervensystem mit dem Hormonsystem. Die „Absonderung“ von Hormonen wird durch die Hirnanhangdrüse gesteuert (die Hirnanhangdrüse wird auch als Hypophyse bezeichnet). Die Hirnanhangdrüse ist selbst in der Lage etwa 10 verschiedene Hormone herzustellen und in den Körper abzugeben. Diese Hormone der Hirnanhangdrüse sorgen bei verschiedenen Hormondrüsen dafür, dass diese Drüsen Hormone produzieren und in die Blutbahn abgeben. Hierdurch steuert die Hirnanhangdrüse die anderen Hormondrüsen im Körper und übernimmt damit eine zentrale Funktion im Hormonsystem. So steuert beispielsweise die Hirnanhangdrüse den Stoffwechsel, in dem die Hirnanhangdrüse das Hormon Thyreotropin „freisetzt“ und dieses Hormon die Schilddrüse dazu „anleitet“, das Hormon Thyrosix ins Blut abzugeben, dass den Stoffwechsel fördert. (Achtung: es gibt auch Hormone, die unabhängig vom Hypothalamus im Körper „Prozesse“ steuern, beispielsweise die Bauchspeicheldrüse, die Insulin produziert).

Bespiele für Hormone im menschlichen Körper

  • Hormon Thyroxin (wird in der Schilddrüse produziert): Fördert den Stoffwechsel in den Zellen (erhöhte Sauerstoffaufnahme in der Zelle)
  • Hormon Insulin (wird in der Bauchspeicheldrüse produziert): Regelt (bzw. senkt) den Blutzuckerspiegel
  • Hormon Testosteron (wird in den Hoden produziert): bewirkt die Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale

Wirkungsweise von Hormonen am Beispiel der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse produziert die beiden Hormone „Insulin“ und „Glukagon“, die gemeinsam den Glucosegehalt im Blut regeln. Denn je nach körperlicher Aktivität (Essen oder Sport-treiben) ist der Glucosegehalt im Blut unterschiedlich. Normalerweise liegt der Glucosegehalt im Blut normalerweise bei ca. 1 mg Glucose / 1 ml Blut bzw. 1,4 mg Glucose / 1 ml Blut (nach dem Essen)

Nehmen wir nun mit unserer Nahrung Glucose auf (durch die Verdauung von Kohlenhydraten), steigt der Glucosegehalt im Blut. Durch den steigenden Glucosegehalt im Blut wird die Bauchspeicheldrüse „veranlasst“, Insulin zu produzieren und in die Blutbahn abzugeben. Insulin als Hormon sorgt dafür, dass Glucose „vermehrt“ von Leberzellen und Muskelzellen aufgenommen werden kann. Dadurch sinkt der Glucosegehalt im Blut.

Betreiben wir viel Sport verbrauchen wir auch viel Energie, die aus Glucose in den Zellen geliefert wird (Glucose wird so verbraucht). Unterschreitet nun der Glucosegehalt im Blut „einen normalen“ Wert, so produziert die Bauchspeicheldrüse das Hormon Glukagon und gibt dies in die Blutbahn ab. Glukagon als Hormon sorgt dafür, dass in Leber- und Muskelzellen gespeicherte Glucose wieder freigegeben wird. Dadurch steigt der Glucosegehalt im Blut wieder an.